Hiroshima Gedenken 2026
06. Aug 2026
Predigt am 2. August in St. Sebastian, Gilching
Die Predigt zum Hiroshima-Gedenkgottesdienst 2026 von Charles Borg-Manché nimmt ihren Ausgang bei einem Zitat von Dr. Rolf Mützenich, wonach die Gefahr eines atomaren Konflikts heute größer sei als je zuvor. Diese Einschätzung wird mit aktuellen Zahlen untermauert: Der SIPRI-Jahresbericht warnt vor einem neuen nuklearen Wettrüsten und vor dem Zusammenbruch der internationalen Rüstungskontrolle, während ein ICAN-Bericht offenlegt, dass die neun Atommächte im vergangenen Jahr rund 105 Milliarden Euro – ein Anstieg um 19 % – für Atomwaffen ausgegeben haben. Gleichzeitig würden humanitäre Hilfe, Entwicklungshilfe und Sozialausgaben massiv gekürzt, obwohl gerade hier dringender Bedarf bestehe. Auch Bayern wird in diesem Zusammenhang als Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie benannt, dessen Förderung die Staatsregierung weiter ausbauen wolle.
Im Anschluss daran verweist der Charles Borg-Manchéer auf die völkerrechtliche Dimension: Vor 30 Jahren stellte der Internationale Gerichtshof in einem bis heute maßgeblichen Rechtsgutachten fest, dass Androhung und Einsatz von Atomwaffen gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen – ein Urteil, das die Atommächte jedoch offenbar unbeeindruckt lässt. Ergänzend zitiert er UN-Generalsekretär António Guterres, der anlässlich des Internationalen Tages für die vollständige Abschaffung von Atomwaffen 2023 eindringlich zur nuklearen Abrüstung aufgerufen hatte.
Den Schwerpunkt der Predigt bildet jedoch die Bezugnahme auf Papst Leo und seine Enzyklika „Magnifica Humanitas“. In der Tradition seines Vorgängers Franziskus verurteilt Papst Leo nicht nur den Einsatz, sondern auch Herstellung und Besitz von Atomwaffen als unmoralisch und sieht in der atomaren Abschreckung eine gefährliche Illusion, die das Wettrüsten weiter anheize. Statt in Resignation zu verfallen, ruft er dazu auf, gemeinsam eine „Zivilisation der Liebe“ aufzubauen – eine Haltung, die nicht aus großen Gesten, sondern aus vielen kleinen, beharrlichen Akten der Treue entsteht. Charles Borg-Manché greift daraus drei konkrete Ansätze auf: Erstens gelte es, die Worte zu entwaffnen, also dem „Krieg der Worte und Bilder“ eine Absage zu erteilen und stattdessen Wahrheit, Rat und Trost zu spenden. Zweitens gehe es darum, die Perspektive der Opfer einzunehmen – nicht neutral zu bleiben, sondern hinzusehen, zuzuhören und den Leidenden, allen voran den Atombombenopfern und ihren Familien, ihre Würde zurückzugeben. Drittens schließlich fordere der Papst, den Dialog konkret zu praktizieren, als wichtigstes Mittel des menschlichen Zusammenlebens und, auf politischer Ebene, im Sinne einer „Kultur der Verhandlung“ anstelle kriegerischer Auseinandersetzung.
Zum Abschluss verweist er auf Psalm 46 sowie auf die Friedensverheißung Jesu aus dem Johannesevangelium und schließt mit dem Aufruf des Papstes, im Gebet und im gesellschaftlichen Engagement für den Frieden nicht müde zu werden. Er wünscht sich, dass sowohl einzelne Christinnen und Christen als auch die pax-christi-Bewegung diesem Appell entschieden folgen.
Vollständiger Predigttext hier
Video der Predigt hier.
Gedenken am Gilchinger Friedenspfahl
Gedenken in Gilching: Mahnung gegen Atomwaffen und Plädoyer für den Frieden
Gilching – Auch im Jahr 2026 stand das Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Zentrum einer gemeinschaftlichen Aktion. Die pax christi Gruppe Gilching lud die Bürgerinnen und Bürger ein, gemeinsam innezuhalten und über die Verantwortung für eine gewaltfreie Welt nachzudenken.
Den emotionalen Höhepunkt bildete die Versammlung am Gilchinger Friedenspfahl am Abend des 6. August zu dem auch Vertreter des Gemeinderates und der dritte Bürgermeister gekommen waren. Durch Texte von Bert Brecht, Elie Wiesel, Günter Anders und Rosa Luxemburg wurde die tiefe Tragik der historischen Katastrophe vor Augen geführt. Musikalisch wurde die feierliche Stimmung durch das Klarinettenensemble der Musikschule Gilching unterstrichen, was dem Gedenken eine würdevolle und verbindende Note verlieh.
Neben dem Rückblick auf die Geschichte wurde im Rahmen des Abends auch die aktuelle globale Lage thematisiert. Kritisch wurde die gegenwärtige atomare Aufrüstung angesprochen, die im Widerspruch zu den Zusagen der Atommächte im Atomwaffensperrvertrag steht. Die Veranstaltung machte deutlich, dass das Gedenken an Hiroshima kein reiner Rückblick ist, sondern eine dringliche Aufforderung zur Abrüstung und zur aktiven Gestaltung einer friedlichen Zukunft für alle Menschen weltweit.
Den Abschluss bildete ein symbolischer Akt: In Anlehnung an die Traditionen in Hiroshima wurden Schwimmkerzen in den gegenüberliegenden Brunnen gesetzt. Diese Lichter erinnerten an die zahlreichen Opfer, die nach der Explosion auf dem Fluss in Hiroshima trieben, und setzten ein stilles Zeichen der Hoffnung auf eine Welt ohne Kernwaffen.
Hiroshima Gedenken München